Wo darf ich meine Grenzen setzen?
Gedanken zu dieser Frage.
Lange Zeit habe ich versucht, allem gerecht zu werden.
Meiner Familie.
Meinem Partner.
Meinen Freunden.
Meinem Job.
Ich wollte, dass alles funktioniert.
Heute weiß ich, dass ich dabei vor allem eines vergessen habe:
Mich selbst.
Grenzen haben in meiner Kindheit kaum eine Rolle gespielt.
Ich habe nicht gelernt, wie es sich anfühlt, wenn jemand klare Grenzen setzt oder die eigenen Bedürfnisse deutlich ausspricht.
Stattdessen hatte ich oft das Gefühl, für die Harmonie mitverantwortlich zu sein.
Rückblickend glaube ich, dass ich deshalb lange versucht habe, es allen recht zu machen.
Ich habe funktioniert, organisiert, ausgeglichen und versucht, allen Anforderungen gerecht zu werden.
Doch irgendwann habe ich gemerkt, dass ich dabei immer wieder über meine eigenen Grenzen gegangen bin.
Nicht, weil andere sie nicht respektiert hätten.
Sondern weil ich sie selbst oft nicht wahrgenommen habe.
Oder nicht ernst genug genommen habe.
Mit der Zeit wurde mir klar, dass ich herausfinden musste, wo meine Grenzen liegen.
Denn Grenzen zeigen nicht nur, wo etwas aufhört.
Sie zeigen auch, wo ich selbst anfange.
Früher hatte ich Angst, andere Menschen mit meinen Grenzen vor den Kopf zu stoßen oder zurückzuweisen.
Heute erlebe ich oft das Gegenteil.
Viele Menschen akzeptieren meine Grenzen viel selbstverständlicher, als ich es erwartet hätte.
Besonders deutlich erlebe ich das im Umgang mit meiner Tochter.
Grenzen geben ihr Orientierung und Sicherheit.
Auch bei meiner Arbeit merke ich, wie hilfreich es sein kann, Verantwortung dort zu lassen, wo sie hingehört, anstatt sie automatisch selbst zu übernehmen.
Trotzdem ist das kein Zustand, den man einmal erreicht und dann abhaken kann.
Es bleibt ein Prozess.
Ich möchte lernen, noch mehr bei mir zu bleiben.
Weniger aus Pflichtgefühl zu handeln und mehr aus Überzeugung.
Nicht perfekt zu sein.
Nicht allen gerecht zu werden.
Sondern in mir selbst zu ruhen.
Ich bin noch nicht dort angekommen.
Aber ich habe das Gefühl, auf dem Weg zu sein.
Denn je klarer ich meine eigenen Grenzen wahrnehme, desto klarer sehe ich auch mich selbst.
Und das fühlt sich gut an.
Ich mag mich heute.







