# 8

Was trage ich in die Welt?

Gedanken zu dieser Frage.

Peggy, 49

Ich habe zweimal in meinem Leben Erfahrungen gemacht, die meinen Blick auf das Leben und den Tod sehr geprägt haben.

Das erste Mal war ich noch ein Säugling. Während einer Operation kam es zu einer lebensbedrohlichen Situation. Ich selbst kann mich daran nicht erinnern. Aber schon als Kind hatte ich oft das Gefühl, Dinge anders oder intensiver wahrzunehmen als andere. Ich war sehr empfindsam, habe Stimmungen schnell gespürt und mich schon immer stark mit der Natur verbunden gefühlt.

Erst viel später habe ich meine Mutter gefragt, was damals eigentlich passiert war.

2019 hatte ich eine zweite Nahtoderfahrung. Dieses Mal habe ich sie ganz bewusst erlebt.

Was genau dabei passiert ist, ist für meine Frage heute gar nicht das Entscheidende. Viel wichtiger ist, was diese Erfahrung mit mir gemacht hat.

Ich habe dabei eine Leichtigkeit und Freude erlebt, die sich sehr von dem unterschieden hat, was ich aus meinem normalen Leben kannte. Wieder zurück zu sein, war deshalb zunächst gar nicht so einfach. Ich brauchte einige Zeit, um mich wieder zurechtzufinden und das Erlebte für mich einzuordnen.

Seitdem beschäftige ich mich noch intensiver mit Spiritualität, mit Bewusstsein und mit der Vorstellung, dass es mehr geben könnte als das, was wir unmittelbar sehen und wahrnehmen können.

Vor allem aber ist ein Gedanke geblieben:

Ich bin noch hier.

Und wenn ich noch hier bin, was mache ich mit dieser Zeit?

Was ist meine Aufgabe?

Was kann ich weitergeben?

Daraus ist irgendwann meine Frage entstanden:

Was trage ich in die Welt?

Lange hätte ich darauf wahrscheinlich keine klare Antwort geben können. Und vielleicht kann ich das bis heute nicht.

Aber wenn ich mir anschaue, was ich in meinem Leben mache, merke ich, dass es längst verschiedene Wege gibt, über die ich etwas weitergeben kann.

Ich schreibe Bücher, mache einen Podcast und arbeite seit vielen Jahren als Theaterregisseurin und Theaterpädagogin mit jungen Menschen.

Gerade beim Theater merke ich immer wieder, dass es mir dabei nicht nur um das eigentliche Theaterspielen geht.

Ich halte einen Raum.

Einen Raum, in dem Menschen sich ausprobieren können, in dem sie wachsen, Freundschaften schließen und über viele Jahre miteinander verbunden bleiben.

Ich gebe einen Rahmen und eine Struktur. Was darin entsteht, entwickeln die Menschen selbst.

Und vielleicht ist genau das etwas, das ich gut kann und gerne weitergebe.

Beim Schreiben erlebe ich etwas Ähnliches. Manchmal melden sich Menschen bei mir, die ich überhaupt nicht kenne, und erzählen mir, was ein Text oder ein Buch bei ihnen ausgelöst hat. Dann merke ich, dass etwas, das bei mir entstanden ist, seinen Weg zu einem anderen Menschen gefunden hat.

Auch das gehört für mich zu meiner Frage.

Beim Schwimmen finde ich wiederum etwas, das nur mir gehört. Ich schwimme fast jeden Tag. Im Wasser fühle ich mich leicht, getragen und verbunden. Dieses Gefühl erinnert mich manchmal an das, was ich während meiner Nahtoderfahrung wahrgenommen habe.

Vielleicht brauche ich am Ende gar keine genaue Definition davon, was meine Aufgabe ist.

Ich weiß aber, dass ich etwas weitergeben möchte. Dass ich Menschen miteinander verbinden, ihnen Raum geben und mit dem, was ich erschaffe, etwas in Bewegung bringen kann.

Und ich glaube, dass ich dafür meine eigene Sprache gefunden habe.