

Wann hast du dir zuletzt bewusst Zeit für dich genommen?
Wenn ich Menschen frage, welche ihre Frage ist, bekomme ich erstaunlich oft dieselbe Antwort:
„Ich weiß gar nicht, welche Frage ich habe.“
Das überrascht mich inzwischen überhaupt nicht mehr.
Im Alltag bleibt oft wenig Zeit, sich bewusst mit sich selbst auseinanderzusetzen. Beruf, Familie, Termine und die vielen kleinen Aufgaben des Tages bestimmen unseren Rhythmus. Da bleibt kaum Raum, einmal innezuhalten und sich zu fragen, was einen gerade eigentlich beschäftigt.
Genau deshalb gehört diese Phase für mich schon zum Projekt. Noch bevor wir uns treffen oder das erste Foto entsteht, nehmen sich die Teilnehmenden Zeit, ihre Gedanken zu sortieren und in Worte zu fassen.
Sich selbst Fragen zu stellen, gehört nicht zu unserem Alltag
Die meisten von uns verbringen ihren Tag damit, auf Anforderungen von außen zu reagieren.
Arbeit, Familie, Termine, Nachrichten, To-do-Listen.
Es bleibt wenig Zeit, einmal innezuhalten und den Blick auf sich selbst zu richten.
Ich glaube, dass wir im Alltag oft so sehr mit dem Funktionieren beschäftigt sind, dass für Selbstreflexion kaum Raum bleibt. Dabei hilft genau dieser Moment des Innehaltens dabei, die eigenen Gedanken zu ordnen und sich bewusst zu machen, was einen gerade wirklich bewegt.
Die Gedanken werden mit der Zeit klarer
Ich erlebe immer wieder, dass am Anfang gar nicht genau feststeht, worüber wir später sprechen werden.
Manche schreiben sich ihre Gedanken auf.
Andere sprechen mit ihrem Partner oder einer Freundin darüber.
Wieder andere merken erst auf dem Weg zum Termin, was sie eigentlich beschäftigt.
Und manchmal verändert sich das Thema sogar noch während unseres Gesprächs.
Das gehört dazu.
Es geht nicht darum, sofort die richtigen Worte zu finden. Viel wichtiger ist, sich überhaupt die Zeit zu nehmen, über die eigene Situation nachzudenken.
Schon das Formulieren verändert etwas
Viele Teilnehmende erzählen mir später, dass ihnen bereits die Vorbereitung gutgetan hat.
Nicht, weil sie plötzlich eine Lösung gefunden hätten.
Sondern weil sie versucht haben, ihre Gedanken einmal bewusst in Worte zu fassen.
Das kennen wir wahrscheinlich alle: Solange Gedanken nur im Kopf kreisen, wirken sie oft unübersichtlich oder widersprüchlich. Sobald wir versuchen, sie auszusprechen oder aufzuschreiben, sortieren sie sich. Zusammenhänge werden klarer und manches bekommt einen Namen, den es vorher noch nicht hatte.
Genau das beobachte ich bei vielen Menschen, die an meinem Projekt teilnehmen.
Und ja – es gibt auch die ganz praktischen Fragen
Natürlich bekomme ich auch Fragen wie:
Was soll ich anziehen?
Soll ich mich schminken?
Wie läuft das Shooting ab?
Das gehört dazu und wir besprechen das vorher ganz in Ruhe.
Interessanterweise verlieren diese Fragen aber oft an Bedeutung, je näher der Termin rückt. Irgendwann steht nicht mehr die Kleidung im Mittelpunkt, sondern das, worüber wir sprechen werden.
Die Vorbereitung gehört für mich bereits zum Portrait
Wenn ich heute auf die bisherigen Portraits zurückblicke, gehört diese Phase für mich genauso zum Projekt wie das Gespräch oder das Fotografieren.
Denn genau in dieser Zeit setzen sich die Teilnehmenden mit ihrer eigenen Situation auseinander. Sie nehmen sich bewusst Zeit für Gedanken, die im Alltag oft untergehen, und versuchen, sie in Worte zu fassen.
Viele sagen mir nach dem Portrait, dass ihnen genau diese Vorbereitung gutgetan hat. Nicht, weil sie am Ende auf alles eine Antwort hatten. Sondern weil sie sich Zeit genommen haben, einmal ehrlich auf das zu schauen, was sie gerade beschäftigt.





